Ägypten 1999

musiker1Zwanzig verschlafene Gesichter am Frankfurter Flughafen, beladen mit viel zu viel Gepäck und Instrumenten. So in etwa fing diese Reise der Marvin Dorfler Jazz Connection (so der damalige Name) am 17.03.1999 nach Ägypten an. Unser Leiter Hans Eckhardt – alias Marvin Dorfler – war zwischen 1988 und 1992 bereits für vier Jahre beruflich mit seiner Familie in Kairo. Seit seiner Rückkehr und der gleichzeitigen Gründung der Big Band scherzten wir nun, dass wir nach Ägypten reisen sollten, aber niemand hatte es ernsthaft erwartet. Sicherlich wäre es nicht der erste Aufenhalt der Band im Ausland gewesen, schließlich waren wir schon in Irland und England. Eine Reise zu planen, mit einer Big Band auf dem afrikanischen Kontinent zu fahren, schien jedoch recht weit hergeholt zu sein.

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Aber schließlich wurden Hans und seine Frau Christel konkreter und sagten sich vermutlich: „Warum eigentlich nicht?“. Als ehemaliger Lehrer an der deutschen Schule verfügte Hans noch über beste Kontakte Hans und die Ägypter zum dortigen Lehrerkollegium. In Zusammenarbeit mit dem Direktor war unser Aufenthalt in Ägypten dann endlich vorbereitet. Die ersten drei Nächte sollten wir in Kairo bei den deutschen Lehrerfamilien verbringen, anschließend fuhren wir für weitere sechs Nächte weiter in das Feriencamp http://www.basata.com am Golf von Akkaba in der Nähe vom Berg Sinai.

f6bb8dd602Bei der nächtlichen Ankunft des Fliegers am Kairoer Flughafen war auch bei dem letzten die Müdigkeit gewichen. Die Neugierde war bei den meisten doch sehr groß, denn sie waren bis hierhin noch nie im nichteuropäischen Ausland. Doch wir mussten uns mit der Erkundung von Ägypten noch ein bißchen Gedulden, denn mitten in der Nacht ist es dort wie Überall: Dunkel.
Bereits am nächsten Morgen gings dann los. Als Treffpunkt für die Band war die deutsche Schule vereinbart worden. Doch die meisten Gastfamilien hatten keine Zeit ihre Gäste in die Schule zu bringen, und so begann schon hier das erste Abenteuer. Allein mit der Metro und dem Taxi, ohne Arabischkenntnisse, nur mit einem Adressenzettel der deutschen Schule ausgerüstet, durch Kairo. Letztendlich hat aber doch jeder einen Weg in die Schule gefunden.

14f016c6f8Nach der Probe für das Konzert, dass wir am Abend in der Schule geben wollten, gings dann unter der Führung des Direktors auf zum Sightseeing mit dem Schulbus, der leider wenig später den Geist aufgab. Das erste Ziel war die Mohammed-Ali-Moschee in der Zitadelle. Anschliessend ging es weiter zu den Gizeh-Pyramiden und der Sphinx. Sehen die Pyramiden aus der Entfernung noch recht unspektakulär aus, so wird einem spätestens aus der Nähe betrachtet klar, wie imposant diese Bauten sind und warum sie zu den Weltwundern gezählt werden. Zum Ausklang des Tages gaben wir dann schliesslich unser gut besuchtes Konzert in der deutschen Schule.

In den nächsten Tagen stand die Besichtigung Kairo’s zu Fuss … naja, zumindestens per Taxi an. Einer hat es auch vorgezogen, vier Tage lang zu schlafen, wenn er schon mal in Kairo ist, aber der Rest der Gruppe besichtigte ernsthaft die Gegend, besuchte die Museen oder vertrieb sich die Zeit bei einer entspannenden Fahrt auf dem Nil. Auf dem Kairo Tower, einer Besichtigungsplattform für Touristen, konnten wir erstmals sehen, wie gross Kairo ist. Genau genommen konnte man die Ränder der 15-Millionenmetropole nicht mehr erkennen, und das bei halbwegs klarer Sicht. Nach dem Besuch des Basars am letzten Abend in Kairo liessen wir diesen Tag wie die anderen zuvor in einer Bar bei einem Wasserpfeifchen ausklingen.

aegypt3Am vierten Tag konnte ein kleiner Teil der Band, der aus beruflichen Gründen am Abend in Richtung Heimat ziehen musste, zum Abschluss ihrer Reise noch dem Besuch von Hillary Clinton auf dem Einheimischenbasar beiwohnen. Eine große Ehre für die Musiker, dass versteht sich von selbst 🙂 Zu dieser Zeit waren der Großteil der Band, vierzehn Personen, in zwei Großraumtaxis – hierzulande würde man Kombis sagen – auf dem Weg quer durch die Wüste in Richtung Berg Sinai. Überrascht durch den eiskalten Wind auf der Hochebene, waren wir doch froh, dass wir nach sechs Stunden Fahrt endlich am abendlich warmen Golf von Akkaba angekommen waren.

Auch die freundliche Begrüßung der deutschen Aushilfskraft in unserem Feriencamp „Basata“: „Schuhe ausziehen…“, konnte uns nicht mehr vom Entspannen abhalten.
Neben dem Baden im glasklaren Golf und dem Sonnentanken besichtigten wir auch den Canyon und das Katharinen-Kloster auf dem Berg Sinai. MDJC on Sinai Spätestens hier mußte unser Trompeter Sven „Miles“ Schuchmann, krisengebeutelt wegen der Bambushüttenunterkünfte ohne weiches Bett und fast unter freien Himmel, schlafend neben einem schnarchenden Bassposaunisten, den Entschluß gefaßt haben: „Ich muß einmal in meinem Leben auf einem Kamel geritten sein!“. Für ein geringes Entgelt an den Kamelführer ritt er, zumindestens für ein paar wenige Meter, auf einem Kamel den Berg Sinai steil herab, bis ihm klar wurde, dass der Sattelknauf vorne am Sattel ist…
Nach zehn Tagen war die aufregende Reise leider wieder beendet. Am Kairoer Flughafen traten wir schließlich den Heimflug, mit einem kleinen Zwischenstopp bei McDonald’s am Londoner Flughafen, an. Wie schon so oft sind wir unserem Leiter Hans besonders dankbar, daß er uns wiedermal in der Welt herumgeführt hat.

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