Bill Ramsey

Bill-115_01Der Klang seiner Stimme signalisierte dem geneigten Zuhörer mehrfach am Abend die Ankündigung eines Titels, den ein Amerikaner wohl mit der Redewendung „this is a real treat“ hochachtungsvoll kommentieren würde. In Erinnerung an Joe Williams, den großartigen Leadsänger des Count-Basie-Orchesters, brachte Bill Ramsey gleich zwei Nummern des 1999 im Alter von 81 Jahren verstorbenen Jazzsängers zu Gehör, die, so hatte es den Anschein, nur den seit 1952 in Deutschland lebenden Musiker dazu berechtigen, sie einem Publikum zu präsentieren. Und Bill Ramsey fand mit den rund 400 Gästen in der Friedberger Stadthalle ein überaus dankbares Publikum, das mit stehenden Ovationen seinem knapp zweistündigen Konzert mit den Lokalmatadoren der Marvin-Dorfler-Big-Band Tribut zollte.

Bill-133Ansonsten hatte das Abendprogramm eine kurzweilige Zeitreise durch Evergreens der Jazz-, Soul- und Swinggeschichte zu bieten, zu der die Marvin-Dorfler-Big-Band unter der Leitung von Hans Eckhardt einen nicht minder großen Teil beitrug. Ramseys rassiger Gesang fügte sich in die Musik der Friedberger Formation gelungen ein. Und umgekehrt. Einsätze und Interaktion klappten prima – Komplimente, die sich insbesondere die 17 Big-Band-Musiker verdienten. Schon als Bill Ramsey nach einer gelungenen Einlage des Blueschors Laubach – unter der Leitung von Stefan Spielberger eröffnete die Gruppe schwungvoll die beiden Sets gemeinsam mit der Big-Band – die Bühne betrat und locker „Gettin´ back to swing, baby“ einzählte, fiel der gelungene musikalische Dialog Ramseys mit der Band auf.

Im Laufe des Abends erklangen Titel von Cole Porter, Nat King Cole und das unvergessene „Georgia on my mind“, die wehmütige Sehnsuchtsmelodie aus der Feder Hoagy Carmichaels, die Bill Ramsey einmal als seinen „allerliebsten Bühnenpartner“ bezeichnete.

Und noch zwei Eigenschaften hatte sich Bill Ramsey über die ganzen Jahre beibehalten: Er blieb humorvoll und vital. Nicht selten musste er mit zugekniffenen Augen fast schelmisch lachen, wenn der ihm im Nacken sitzende Schalk ihn wieder zum Erzählen eines Witzes verleitete. Mit den Worten „warum die Dame ein Trampel ist“ kündigte er „That´s why the lady is a tramp“ an, nur um wenig später romantisch, fast melancholisch, auszumalen, wie traurig die Welt wäre, könnte sie sich nicht täglich an einem Stück Musik erfreuen. Mit „Without a song“, dem letzten Titel des Abends, tat Ramsey dies eindrucksvoll. Es war jener Song, den sich Joe Williams von seinem Freund zum 80. Geburtstag wünschte.

Bill-118Von Jillean, der Witwe des einstigen Ausnahmejazzers, habe er das Original-Arrangement des Titels „Allright, okay, you win“ erhalten. Eine grundehrliche Herzensangelegenheit, in der ein verzweifelt verliebter Bursche vergeblich dagegen anzukämpfen scheint, sich in eine fremde Schönheit zu verlieben, die schlussendlich trotzdem sein Herz gewinnt. Bill Ramseys Darbietung des Titels konnte getrost als Hommage und Freundschaftsdienst der besonderen Art interpretiert werden.

Bill-116Wenn der ganz in schwarz gekleidete und prächtig aufgelegte Wahl-Hamburger, der Ende der 50-er Jahre in Deutschland mit Liedern wie „Souvenirs“, „Pigalle“ oder „Zuckerpuppe“ zu begeistern wusste, aus seinem Fundus musikalischer Anekdoten erzählt, wird einem schon nach wenigen Augenblicken klar, dass Ramseys Stellenwert in der Musikbranche rückblickend nur im faszinierenden Genre der Jazzmusik anzusiedeln ist. Bekanntermaßen arbeitete William M. Ramsey, so der richtige Name des im Jahre 1931 in Cincinnati im amerikanischen Bundesstaat Ohio geborenen Sängers, im Rahmen seiner Tätigkeit als Produzent des US-Militärsenders AFN mit sämtlichen Größen der 50-er Jahre zusammen. Hierzu zählten Duke Ellington, das Count-Basie-Orchester und Ella Fitzgerald. Dass er jedoch zu vielen Künstlern, die den Stil einer ganzen Epoche prägten und bereits zu Lebzeiten mit einem Legendenstatus behaftet waren, eine persönliche Bindung pflegte, wissen nur die Wenigsten. Es ehrt Ramsey, dass er beispielsweise private Episoden seiner Freundschaft mit Joe Williams mit dem gespannt lauschenden Publikum teilte.

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